Sankt Maximin – Ort von Leben und Geschichte

Sankt Maximin hat eine reiche und wechselhafte Bau-, Kultur- und Kirchengeschichte wie kaum ein anderer Ort in Trier. Den ehemaligen Kirchenraum beleben heute Schulsport und kulturelle Veranstaltungen. So zeigt St. Maximin als Sport- und Veranstaltungshalle, dass ein Baudenkmal nur durch zweckmäßige Nutzung erhalten werden kann.

Historisch geht Sankt Maximin auf das antike Gräberfeld des römischen Trier außerhalb der Stadt, nördlich der Porta Nigra zurück. Um die Grablege unter anderem der Bischöfe Agritius und Maximinus entstand im 4. Jahrhundert ein erster Cömeterialbau (Ruhe-, Grabbau) mit Raum für 1000 Sarkophage; die frühen Christinnen und Christen wollten in der Nähe ihrer Bischöfe bestattet sein. Auch der heutige Bau steht noch auf diesen steinernen Sarkophagen aus römischer Zeit gegründet.

Eine der bedeutendsten Abteien des Mittelalters

Ursprünglich stand der erste Kirchbau unter dem Patronat eines heiligen Johannes (der Täufer?). Weil der hier bestattete heilige Bischof Maximinus sehr beliebt war, wurde die Kirche später unter seinen Schutz gestellt: Sankt Maximin. Wahrscheinlich im 7. Jahrhundert entstand um die Kirche herum ein Benediktinerkloster. Im 10. Jahrhundert folgte die früheste ottonische Großkirche zwischen Maas und Elbe. Sankt Maximin entwickelte sich im Mittelalter ähnlich wie das burgundische Cluny zu einer der einflussreichsten Abteien des Abendlandes und erlangte schließlich die Reichsunmittelbarkeit. Die weitere Abteigeschichte liegt teilweise im Unklaren; so haben sich etliche Dokumente um Besitztümer als Fälschungen erwiesen. Als Folge solcher Verwirrungen drohte einmal zwischen den Trierer Erzbischöfen und der Reichsabtei Sankt Maximin sogar eine kriegerische Auseinandersetzung.

Zweimal ist die mittelalterliche Kirche zerstört worden: 1522 im Zuge der Fehde des Franz von Sickingen mit Kaiser Maximilian I und während der Reunionskriege 1674 durch die Truppen des Sonnenkönigs Louis XIV. Der damalige französische Gouverneur wollte freies Schussfeld außerhalb der Stadtmauern und ließ daher sämtliche Abteigebäude zerstören. Als Indiz für die Macht und den Reichtum der Abtei mag gelten, dass nur zehn Jahre später die Kirche wiederaufgebaut war – und zwar im Wesentlichen so, wie wir sie heute kennen.

Aufgehoben und zerschlagen

Infolge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege wurde die Abtei 1802 per Dekret aufgehoben. Ihr Vermögen wurde derart zerschlagen, dass eine Wiederherstellung nicht mehr möglich war. Den französischen Besatzungstruppen diente St. Maximin zunächst als Schmiede, dann als Handwerksschule.  Nach dem Wiener Kongress erfolgte 1815 der Umbau zur preußischen Kaserne; dazu wurden unter anderem  fünf Geschosse eingebaut. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV verfügte schließlich den Abbruch dieser Einbauten in den östlichen vier Jochen. Der so zur Hälfte wiederhergestellte Kirchenraum wurde zur katholischen Garnisonskirche bestimmt.  Die westliche Gebäudehälfte blieb Kaserne. Nach Ende des zweiten Weltkrieges fanden hier zunächst das Gymnasium der Ursulinen und später das städtische Friedrich-Spee-Gymnasium ihre Notquartiere.

Seit 1975 stand das Gebäude leer. Wegen der hohen kirchengeschichtlichen Bedeutung des Ortes sah sich das Bistum Trier vor die Aufgabe gestellt, nach einer neuen Nutzung für das Bauwerk zu suchen. Einen Bedarf als Kirche gab es nicht, da in unmittelbarer Nachbarschaft die Basilika und Pfarrkirche Sankt Paulin liegt. Eine breite Öffentlichkeit hat damals gefordert, den ehemaligen Kirchenraum als Kultur- und Veranstaltungshalle herzurichten. Diese Nutzung alleine hätte den hohen finanziellen Aufwand aus Bistumsmitteln jedoch nicht gerechtfertigt. Im Umfeld lagen aber drei Schulen in Trägerschaft des Bistums; keine von ihnen verfügte über eine Sporthalle. So wurde in einem ausgelobten Architektenwettbewerb zur Umgestaltung von Sankt Maximin als wesentliche Randbedingung formuliert, dass eine Hallennutzung gleichermaßen für Sport und kulturelle Veranstaltungen möglich sein sollte.

Erhaltung durch sinnvolle neue Nutzung

Mit der Architektengemeinschaft Dieter G. Baumewerd / Gottfried Böhm / Alois Peitz entstand dann der Raum in seiner heutigen Gestalt: Für den Schulsport (95 % der Nutzung) liegen zwei Spielfelder hintereinander, getrennt durch Vorhänge, die an zwei Laufkränen die Halle variabel teilen können. Im Konzertmodus finden bis zu 1.250 Menschen ihren Platz. Sämtliche Einbauten wurden im Blick auf spätere Nutzungsänderungen reversibel gestaltet.

Eine massive Betondecke trennt die Halle vom darunter liegenden Gräberfeld, zu dem sich im Chorraum ein gläserner Durchblick öffnet. Wer zum Gräberfeld hinabsteigen möchte, kann im Rahmen einer Führung auf Zeitreise gehen: Geschichte und Leben an einem Ort.